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Anna Kauert News Interkulturelle Kompetenz

Interkulturelle Kompetenz – Eine Wochenanleitung

Das neue Jahr ist noch recht jung, doch während wir in Deutschland schon oft weit vor Silvester die erste Quartalsplanung fertig haben, bereiten sich andere Kulturen erst auf den Neujahrsabend vor. Wissen Sie welche?

Quicktest – Hätten Sie’s gewusst?

China … das chinesische Neujahrsfest wird nach dem traditionellen Mondkalender gefeiert. Das fiel in diesem Jahr auf den 28. Januar. Den ganzen Abend wurde Feuerwerk gezündet, um böse Geister zu vertreiben.

Moslems … Moslems feiern Neujahr nach dem islamischen Kalender –  in diesem Jahr am 21. September 2017.

Indien … der Jahresbeginn in Indien fällt traditionell nicht auf den 1. Januar. Diwali, das Lichterfest,  diesjährig vom 19. – 23. Oktober 2017, wird oft als Neujahrsfest bezeichnet.

In der heutigen Zeit des globalisierten Wirtschaftslebens, wo Unternehmen und Mitarbeiter weltweit agieren und auch ihre Teams Menschen unterschiedlichster Herkunft vereinen, erwartet man von Ihnen interkulturelles Know-how. Man spricht oft voninterkultureller Kompetenz.  Dazu gehört für mich nicht nur Wissen über die „Fremdkultur“, wie im Quicktest beispielhaft aufgezeigt, sondern auch Fingerspitzengefühl, Empathie und Neugierde. Eine Offenheit gegenüber anderen Kulturen und Geduld.

Der Weg zu interkultureller Kompetenz – eine Wochenanleitung

Interkulturelle Kommunikation ist eine persönliche Angelegenheit, die sich meiner Meinung nach nur ansatzweise lehren lässt. Denn das selbst Erlebte und eine offene Grundeinstellung kann man schwerlich jemanden beibringen, vielmehr kann man Anstöße geben und ermutigen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, um längerfristig kompetent zu sein.

  1. Übung – Montag bis Dienstag: Beobachten und reflektieren Sie sich

Beobachten Sie sich einmal selbst und notieren Sie mindestens vier nonverbale Kommunikationssignale (Gestik, Mimik, Tonfall, Blickkontakt), die Sie gerne benutzen und welche Bedeutung diese für Sie haben. Überlegen Sie sich dann, wie diese von einer anderen Kultur missverstanden werden könnten.

Diese Übung können Sie auch andersherum machen, wenn Sie schon im Ausland gelebt oder gearbeitet haben. Welche vier nonverbalen Kommunikationssignale haben Ihr Chef oder Ihre Bekannten benutzt, die in Deutschland missverstanden werden könnten?

Tauschen Sie sich darüber mit Ihrem Partner, Freunden und Kollegen aus.

  1. Übung – Mittwoch: Erinnern Sie sich

Machen Sie es sich bei einer Tasse Tee oder einem Kaffee gemütlich und schweifen Sie ab in die Gedankenwelt.

Erinnern Sie sich noch, wie es war, als Sie das erste Mal mit einer anderen Kultur in Berührung gekommen sind? Wie haben Sie sich gefühlt? Vielleicht waren Sie neugierig oder ängstlich, überrascht oder überfordert von der neuen Situation. Manche Menschen scheuen sich vor der Fremde, andere hingegen können gar nicht genug davon bekommen.

Ich erinnere mich noch sehr gut an meinen ersten langen Auslandsaufenthalt in einer französischen Familie, der mich stark geprägt hat. Kurz nach dem Abitur habe ich ein Jahr das Leben mit einer fünfköpfigen Pariser Familie geteilt. Nach einer ersten Phase der Neugierde und Offenheit, empfand ich nach 3 Monaten eine große Sehnsucht nach meiner Heimat. Mir fehlte das, was ich von Kind auf kannte:  Mir bekanntes Essen, meine Sprache und meine Freunde und Familie. Dieses Stimmungsbild änderte sich noch mehrmals in dem Jahr und nach Hause kam ich mit einer neuen Kultur in mir, die mich bis heute privat und beruflich begleitet.

  1. Übung – Donnerstag: Schätzen Sie sich selbst ehrlich ein

Wie gerne gehen Sie ein Risiko ein? Mögen Sie es spontan zu sein oder bevorzugen Sie es ohne Überraschungen durch den Tag zu gehen? Versuchen Sie sich so gut es geht selbst einzuschätzen, so wissen Sie auch, welche Werte für Sie besonders wichtig sind.

Nach mehreren beruflichen Einsätzen im französischsprachigen Ausland, hatte sich in mir der Wunsch geregt, Menschen in unvertraute Situationen hineinzuversetzen, sie zu überraschen und mit sich selbst zu beschäftigen, um unbekannte Situationen angstfrei und vorurteilslos zu bewältigen. Inwieweit Sie sich kompetent fühlen, hängt letztlich von Ihnen selbst ab.

  1. Übung – Wochenende: eine Auswahl von Filmen, in denen kulturelle Gegensätze aufeinander treffen

Madame Mallory und der Duft von Curry (Originaltitel: The Hundred-Foot Journey, 2014 Indien und USA, Regie Lasse Hallström)
Die indische Familie Kadam lässt sich in einer französischen Kleinstadt namens Saint-Antonin nieder, um ein indisches Restaurant zu eröffnen. Dem neuen Restaurant gegenüber liegt jedoch bereits ein Restaurant, Le Saule Pleureur, das der klassischen französischen Küche gewidmet ist und zudem einen Michelin-Stern trägt. Dessen Inhaberin, Madame Mallory, fühlt sich vom indischen Restaurant gestört und startet einen Kleinkrieg, indem sie auf dem lokalen Markt all die Dinge aufkauft, die für das indische Restaurant benötigt werden.

Zimt und Koriander (Originaltitel: Politiki kouzina, 2003 Griechenland, Regie Tassos Boulmetis)

Fanis Iakovidis ist ein griechischer Dozent für Astrophysik, der in Athen lebt. Als sein noch in Konstantinopel, dem heutigen Istanbul, lebender Großvater Vassilis erkrankt, erinnert sich Fanis an seine Kindheit, die Vertreibung aus der Türkei, an das Kochen und seine Freundin.
In Rückblenden wird erzählt, wie die griechisch stämmige Familie 1959 in Konstantinopel wohnt, 1964 nach Griechenland ausgewiesen wird und in Griechenland alles andere als freundlich aufgenommen wird. In Konstantinopel galten sie als Griechen, in Athen gelten sie nun als Türken.

Hochzeit auf Griechisch (Originaltitel: My big fat greek wedding, 2002 USA und Kanada, Regie Joel Zwick)

Toula führt ein tristes Leben. Sie ist 30, wohnt bei ihren Eltern in Chicago bei ihrer traditionellen griechischen Familie, arbeitet Tag für Tag im familieneigenen Restaurant The dancing Zorba’s und ist immer noch unverheiratet. Sie gleicht einer grauen Maus und kleidet sich unvorteilhaft. Ein Unglück für ihren Vater, der ihr seit frühester Jugend unentwegt in den Ohren liegt, sie solle endlich heiraten. Er verfügt regelrecht über Toula bis zu einer hoffentlich bald geschehenden Hochzeit mit einem „anständigen“ Griechen.
Toula lernt Ian kennen, einen netten Lehrer, in den sie sich verliebt. Doch Ian ist kein Grieche, sondern ein „White Anglo-Saxon Protestant“, weshalb sie die Beziehung zuerst vor ihren Eltern geheim hält. Als Ian Toula aber einen Heiratsantrag macht, nimmt sie überglücklich an…

Zum Lesen – Mein Buchtipp:

Jürgen Bolten, Claus Ehrhardt (Hrsg.) : Interkulturelle Kommunikation, Texte und Übungen zum interkulturellen Handeln. Verlag Wissenschaft und Praxis, 2003.

In diesem Buch finden Sie eine Mischung aus grundlegenden Theorien und praktischen Fragestellungen, Fallstudien und Übungen. Die Themen beziehen sich hauptsächlich auf die interkulturelle Wirtschaftskommunikation.

Und wenn Sie sich zum Lesen oder Film schauen einen wärmenden Tee machen möchten, empfehle ich Ihnen diesen kulinarischen Geheimtipp:

Indischer Ingwer-Gewürztee

1 kleine Zimtstange, 1 TL grüne Kardamomkapseln, 5 Gewürznelken, ½ l kalkarmes oder gefiltertes Wasser, 15 g frischer Ingwer, 5 TL schwarzer Tee (Assam), 2-3 EL Zucker oder Honig, ½ l Milch

Die Zimtstange zerbröckeln. Kardamomkapseln und Nelken etwas zerdrücken. Die Gewürze in einen Topf streuen und bei mittlerer Hitze unter Rühren leicht anrösten, bis sie duften. Das Wasser aufgießen und erhitzen. Den Ingwer schälen, in dünne Scheiben schneiden und zugeben. Alles zugedeckt bei kleiner Hitze 25 Min. ziehen lassen. Die Teeblätter und Zucker oder Honig zugeben, noch ca. 5 Min. ziehen lassen. Die Milch unterrühren, kurz erhitzen. Den Milchtee durch ein Sieb in große Tassen gießen und servieren.

Ich wünsche Ihnen einen guten Start in die Woche und viel Erfolg und Spaß beim Lernen!
Ihre Anna Kauert

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Autor: Anna Kauert