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Wie sie Ihre Geschäftsbeziehungen mit Frankreich ruinieren: 10 Tipps

Wie sie Ihre Geschäftsbeziehungen mit Frankreich ruinieren: 10 Tipps

In der Reihe “Weltblick” auf dem ICC-Portal schauen wir über den deutsch-chinesischen Tellerrand hinaus. Frankreich-Expertin Anna Kauert hat bereits den viel gelesenen Artikel über die französische Esskultur beigesteuert. In diesem Beitrag erklärt sie, wie man sich im Geschäftsleben (nicht) gegenüber Franzosen verhalten sollte.

Vorbereitung auf Frankreich

1. Franzosen und Englisch…

… sind eher Zweckbeziehung als Liebespaar. Lernen Sie deswegen auf keinen Fall Französisch. Es wird Ihnen helfen, weniger Kontakte zu knüpfen und Ihre Meinung über arrogante Franzosen zu stärken, die so tun, als verständen Sie kein Englisch. Ohne ein Wort Französisch reduzieren Sie die Chancen, einen ersten guten Eindruck zu hinterlassen, auf ein uneingeschränktes Minimum.

Geschäfte in Frankreich

2. Pünktlich am Verhandlungstisch

Seien Sie am besten schon eine Viertelstunde vor Verhandlungsbeginn im Vorzimmer und schauen bewusst alle halbe Minute auf die Uhr. Signalisieren Sie der Sekretärin so, dass Sie keine Minute zu spät beginnen möchten. Sobald Sie feststellen, dass Ihre Verabredung zu spät ist, rufen Sie an und beschweren sich. Wenn Ihre Verabredung  schließlich 15 Minuten später eingetroffen ist und Ihnen einen Kaffee anbietet, lehnen Sie diesen auf jeden Fall ab und betonen Sie, dass Sie schon 15 Minuten der Verhandlung verloren haben und Ihnen nur noch 45 Minuten bleiben. Drängen Sie auf die Zeit und schauen Sie auch beim Reden immer wieder auf die Uhr. Hinterlassen Sie beim Abschied einen negativen Eindruck bei der Sekretärin, indem Sie sich nochmal über die Verspätung Ihrer Verabredung beschweren.

3. Geschäfte beim Mittagessen abschließen

Essen spielt in Frankreich keine große Rolle, planen Sie also maximal 45 Minuten für Ihren Termin zum Mittagessen ein. Sind Sie ein Liebhaber von Menüs und besonderen Vor- und Nachspeisen? Vergessen Sie das schnell wieder. In Frankreich werden Sie nur äußerst selten erleben, dass man Ihnen ein Menü zum Mittag anbietet. Möchte man Sie in ein besonderes Restaurant ausführen, lassen Sie sich auf keinen Fall darauf ein und lehnen Sie unfreundlich ab. Begründen Sie dies mit Zeitmangel und Ihrer Vorliebe für die deutsche Küche.

4. Private Themen sind Tabu!

Beginnen Sie jede Geschäftsbeziehung, indem Sie mit der Tür ins Haus fallen und sagen, was Sie beabsichtigen. Ein Kennenlernen des Gegenübers wird als überflüssig und Zeitverschwendung angesehen, machen Sie sich also keine Mühe, Fragen über Hobbies und Familie zu stellen. Vermeiden Sie einen Small Talk zum Eisbrechen, um die Chancen auf jegliche Sympathie zu reduzieren. Zeigen Sie keinen Sinn für Humor.

5. Diskussionskultur in Frankreich

Sagen Sie frei raus, was Ihnen nicht passt. Wenn Sie mit Ihrem zukünftigen oder derzeitigen Geschäftspartner nicht übereinstimmen, verpacken Sie Ihre Aussage nicht mit blumigen Redewendungen oder Worten, sondern seien Sie so direkt wie möglich. Für eine erfolgreiche Verhandlung können Sie ruhig klar und deutlich Nein sagen, um zu zeigen, wer der Chef ist.

Soziales in Frankreich

6. Küsschen links und rechts?

Probieren Sie doch den Bussi links und rechts aus. Aber nicht nur einen Luftkuss. Es darf schon mal auf der Wange schmatzen, so setzen Sie von Anfang an Zeichen für einen intensiven Kontakt mit Ihren neuen Freunden.

7. Small Talk beim Apéritif

Sie wurden heute Abend leider zu einem Apéritif mitgenommen? Dann wundern Sie sich laut über die Snacks vor dem Abendessen. Wozu noch essen, kurz bevor man ins Restaurant geht? Damit Sie keine neuen Freundschaften schließen, gehen Sie von Gruppe zu Gruppe und stellen Fragen zur Geschichte oder Politik Frankreichs und provozieren Sie Ihre Gesprächspartner. Reden Sie auf keinen Fall über die neuesten Kinofilme oder über ein gutes Restaurant, das Sie neulich ausprobiert haben. Drängen Sie die Anderen zum Gehen.

8. Getränke mitbringen

Franzosen laden gern und häufig zum Abendessen ein. Um erfolglos und unsozial zu bleiben, bringen Sie nichts mit. Oder gehen Sie in den Supermarkt und schauen in der untersten Reihe nach der günstigsten Flasche Rotwein  oder Champagner. Falls Ihr Gast betont, einen sehr guten Rotwein zu öffnen, verziehen Sie keine Miene und loben Sie auf gar keinen Fall die Qualität des Weins. Denn dies wird ihr Verhältnis ebenfalls positiv beeinflussen.

Frankreich-Nachbereitung

9. Kontakte pflegen

Es ist entgegen ihrer Erwartung zu einem guten Geschäft mit französischen Partnern gekommen? Dann melden Sie sich nie wieder bei ihm. Wenn Sie sich doch in Verbindung setzen, dann rufen Sie ihn Montag früh um 9 Uhr an. Wenn Sie die Handynummer besitzen, melden Sie sich unbedingt in der Mittagspause zwischen 13 und 15 Uhr oder am Wochenende.

Geheimtipp

10. Befolgen Sie alle Regeln

Stellen Sie sich auf Ämtern, am Schalter oder Taxistand immer hinten in der Schlange an und lassen Sie solche, die sich vordrängeln mit einem Lächeln bereitwillig vor. Warten Sie geduldig bis die Ampel auf Grün springt und laufen Sie nicht mit ihren französischen Partnern über die rote Ampel. Bestehen Sie darauf, dass auch die Anderen mit Ihnen warten. Mehr dazu können Sie hier nachlesen.

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Autor: Anna Kauert