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DEUTSCHMOBIL – Gummibärchen gegen Sprachbarrieren

DEUTSCHMOBIL – Gummibärchen gegen Sprachbarrieren

Goethes Sprache ist fürchterlich kompliziert. Umständlicher Satzbau, harte Aussprache und ellenlange Wort-Ungetüme – dann doch lieber Englisch und Spanisch lernen. Das sagen sich viele Schüler in Frankreich, die im Regelfall zwei Fremdsprachen auswählen. Und viele Eltern, die befürchten, dass Deutsch nur für Überflieger machbar ist und ihren Nachwuchs leicht überfordern könnte. In Spanien lockt das Mittelmeer, während Deutschland kalt und hässlich ist – Klischees wie diese tun ihr Übriges.

Für manche ein Aha-Effekt

Anna Kauert kennt sie zur Genüge. Sie weiß aber auch, wie sie dagegen ankämpfen kann: Indem sie mit ihrem „DeutschMobil“ direkt an Schulen in und rund um Paris fährt, um zu zeigen, dass ihre Sprache Spaß machen kann. „Manche erleben einen richtigen Aha-Effekt und merken: So schwer ist das ja gar nicht“, erzählt die junge Berlinerin. Ihr Programm gestaltet sie altersgerecht mit Memory-Spielen, CDs mit deutschem Hip-Hop und Pop und farbigen Broschüren. Meist wird sie von Collèges (Mittelstufe) oder Lycées (Gymnasien) eingeladen, doch diesmal ist sie in einer Grundschule im Pariser Vorort Montreuil unterwegs. Die Zweitklässler haben bereits Grundkenntnisse von Deutsch und lassen im Minutentakt ihre Arme in die Luft schnellen. Mit Schokolade und „Aribo“ Anna Kauert weiß, wie sie ihnen die Sprache und ihre Heimat noch schmackhafter machen kann: Mit Kinder-Schokolade, die ebenso aus Deutschland kommt wie „Aribo“ oder vielmehr „Haribo“ – ausgesprochen mit einem deutlichen „H“. Und die Gummibärchen, erklärt Anna Kauert, sind nicht „bünt“, wie die Kinder zunächst laut von einem Pappschild vorlesen, sondern „bunt“. Die 30-jährige ausgebildete Übersetzerin ist eine von zehn deutschen Stipendiaten, die als Sprach-Botschafter ein Schuljahr in Frankreich verbringen. Kauert gehört zu einem Jubiläums-Jahrgang:

Vor zehn Jahren wurde die gemeinsame Initiative der Föderation der Deutsch-Französischen Häuser und der Robert-Bosch-Stiftung gegründet, die von Mercedes-Benz France und dem Deutschen Akademischen Auslandsdienst (DAAD) unterstützt wird. Mehr als 7500 Einrichtungen wurden seither besucht und mindestens 460000 Schüler erreicht. 2004 wurde die Aktion sogar mit dem Adenauer-de-Gaulle-Preis ausgezeichnet. Positives Bild Eine Erfolgsgeschichte, die auch mit Zahlen messbar sei, lobt Markus Woelke, Kulturreferent in der Deutschen Botschaft in Paris, das „DeutschMobil“. „Die jungen Lektoren vermitteln ein positives, modernes Bild von Deutschland. Dort wo sie auftreten, steigt die Nachfrage eindeutig“, sagt Woelke. Deshalb touren seit 2002 auch zwölf junge Franzosen mit dem „FranceMobil“ durch Deutschland. Nach einem Einbruch in den 1990er Jahren steigt das Interesse französischer Schüler an der deutschen Sprache seit zwei Jahren wieder leicht an. Als wichtige Faktoren dafür nennt Woelke den (inzwischen verblassten) Erfolg der Popgruppe Tokio Hotel, die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 und die ungebrochene Faszination für die Hauptstadt Berlin. „Neben dem Argument, dass Franzosen mit Deutsch-Kenntnissen auf dem Arbeitsmarkt gute Chancen haben, zählt auch der Spaßfaktor.“

Ein „Selbstläufer“ sei Deutsch in französischen Schulen jedoch nach wie vor nicht. Anna Kauert kann das bestätigen, zumal es zeitweise an Deutsch-Lehrern mangelt und Sprachen wie Russisch oder Chinesisch starke Konkurrenz machen. Bei manchen Eltern stoßen sie und ihre Kollegen auch auf festgefahrene Vorurteile. „Eine Lektorin in Lyon wurde einmal gefragt: Wozu sollen wir die Sprache Hitlers lernen?“ Vorbehalte, die sie aufknackt mit ihrem fröhlichen Auftritt, der die deutsche Sprache aus der Geschichte in die Gegenwart holt.

Erschienen auf der Website der Nürnberger Nachrichten

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Autor: Anna Kauert